Essen auf Rädern

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Reisen und Speisen, dass hat vor allem beim Bahnfahren eine lange Tradition. Doch das Geschäft der Speisewagen-Bewirtung war immer schon schwierig, meist defizitär und auch im Bereich Qualität eine Herausforderung.

Seit April 2012
hat der bekannte Airline Caterer Attila Dogudan die kulinarische Betreuung unter den Namen "Henry am Zug" bei den ÖBB übernommen. Grund genug für eine Beobachtung. Getestet wurden von uns diverse Railjet, Inter City und Euro City Verbindungen im gesamten Bundesgebiet. Bei den Railjets wurde ausschliesslich der "am Platz Service" in der Business Class in Anspruch genommen.

Etwa im Railjet
Salzburg - Zürich. An diesem Morgen war es in den Business Abteilen entspannt ruhig. Zeitungen und das für diese Klasse obligatorische Begrüssungsgetränk werden gereicht. Der Blick in die Speisekarte "Henry am Zug" verrät, es hat sich einiges geändert. So gibt es Sandwiches, natürlich die obligaten Frankfurter (besonders geschmackvoll) über Leberkässemmel (originell), ein indisches Gemüse-Curry (gute Empfehlung) bis hin zum Wiener Schnitzel (Panier manchmal zu trocken), Salate, Kaiserschmarren oder auch der Kuchen des Tages seien nur auszugsweise erwähnt. Das  warme Schinken - Käse -Panini entsprach an diesem Tag ganz unseren Erwartungen, der Kaffee frisch und heiß serviert.

Die Preispolitik kann
absolut als fair bezeichnet werden. CremeSpinat mit Rösti nur €6,90, oftmals günstiger als irgendwo in einem Gasthaus. Die frisch zubereiten Rigatoni mit Tomaten-Parmesan Sauce zum selben Preis wohlfeil. Eine Flasche Riesling Federspiel Terrassen 2012 Domäne Wachau, 0,375 l, um € 8,90. Das Wiener Schnitzel ist mit €10,90 übrigens das teuerste Gericht.

Die Logistik der
Speisewagen Versorgung ist nicht unbedingt einfach. So kann es passieren, das etwa im IC593 zwischen Villach und Salzburg im Speisewagen nur mehr Würstel verfügbar sind oder ein sehr beschränktes Angebot. Hintergrund: Zugsgarnitur samt Personal hat schon einen Marathon von Frankfurt nach Klagenfurt hinter sich. Unterwegs dürfte wohl keine Möglichkeit zum nachfassen gewesen sein. Auch ist oftmals die technische Verfügbarkeit der Speisewagen eine Herausforderung. Speziell auf den Strecken nach Italien kommt es zu Störungen, dass die Zubereitung der Speisen nicht ermöglicht.

Snacks vom Wagen

Wie auch immer. Der Kaffee, wie etwa beim Trolley-Service, heiß und frisch, kommt von der Espressomaschine - für €1.90 absolut empfehlenswert. €1,40 für ein gutes Croissant, welches wegen technischer Mängel in den Zügen ohne Speisewagen nicht aufgewärmt werden kann. Übrigens: Ein Großes Bier um € 2,90 ist oftmals günstiger als in der Bahnhofsgaststätte. Der Service vom Trolley ist natürlich logistisch eingeschränkt. Immerhin, es gibt drei verschiedene Sandwiches, einen Kuchen des Tages und verschiedenste Getränke sind verfügbar.

Auch die Schulung
des Personal trägt durchaus die gastfreundschaftliche Handschrift des Services von Do&Co. Tatsache ist aber auch, das dieser Job von Fluktuation geprägt ist, wobei es bei manchen Mitarbeitern mit Lohn und Arbeitszeiten in einem nicht immer einfachen Arbeitsumfeld unterschiedlichste Einstellungen herrschen. Da gibt es Mitarbeiter beim Trolley-Service welche extrem zuvorkommend sind, andere haben mit den Servicegedanken weniger am Hut und lungern in den Business Abteilen der 1. Klasse herum. Wie so manche Eisenbahner auch. Wir haben bei unseren Testfahrten auch gemerkt, dass der Service in den Railjet Züge oftmals effizienter war. Vielleicht liegt es auch an der besseren technischen Ausrüstung.

Noch ist für
Attila Dogudan das "Essen auf Rädern" ein Verlustgeschäft. Wie die weitere Adjustierung aussehen wird, um in dieser Sparte kein Geld mehr zu verbrennen und eines Tages auch eines zu verdienen, wird mit Interesse zu beobachten sein.

Für Interessierte: Die
Speisekarte ist auch im Internet abrufbar.

www.henryamzug.com



Kurt Hofmann

August 2013


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