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Das grüne Juwel der Serenissima

06. März 2018

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Die zwei Karrieren des Marco Croze – bekannter Juwelier und genialer Golfplatzarchitekt

Wer zu Dottore Marco Croze will, muß sich im Prinzip nur mit dem unaufhörlichen Touristenstrom durch Venedig treiben lassen. Unweigerlich kommt er über kurz oder lang zur richtigen Adresse: Piazza San Marco nove-cento-ottanta-nove (989), schräg gegenüber dem Campanile und nicht mal einen Steinwurf vom Dogenpalast entfernt in den Arkaden gelegen. Prominenter geht’s nicht in der Lagunenstadt – und das gilt nicht nur für die Geschäftsadresse der Gioielleria Missiaglia, sondern auch für den Inhaber.

Schon in sechster Generation leitet der 77jährige Marco Croze die Geschicke des Juwelierladens am Markusplatz. Anno 1846 von Crozes Vorfahren gegründet, gilt die landesweit bekannte Gio­ielleria Missiaglia als ältester Jewellery Shop Venedigs – mit Strahlkraft weit über Italiens Grenzen hinaus. In gut informierten Golferkreisen nicht weniger bekannt: Marco Crozes zweites Geschäft, genannt „Studio Croze“. Nur wenige Häuser von der Gioielleria gelegen, geht der alte Herr hier mit einem stattlichen Mitarbeiterstab und großer Leidenschaft seiner eigentlichen Berufung nach. Der immer fröhlich wirkende Grandseigneur mit den silbergrauen Haaren und dem unverkennbaren Schnauzbart gilt als der genialste und fleißigste Golfplatz-Architekt südlich der Alpen. Croze entwarf in den vergangenen vier Jahrzehnten über 50 Plätze in nahezu allen Regionen Italiens und im nahen Slowenien – darunter golferische Juwelen wie Des Iles Borromées am Lago Maggiore, Frassanelle bei Padua, Golf Nettuno nahe Rom oder die Edelplätze Montecatini und Versilia in der Toskana. Marco Croze zählt längst auch international zu den ganz Großen seiner Zunft. Seine besondere Liebe und Fürsorge gilt jedoch seit seiner Kindheit dem Circolo Golf Venezia, von dessen Existenz die allermeisten der vielen Millionen Touristen, die die Lagunenstadt alljährlich überfluten, freilich nicht einmal etwas ahnen. Denn: Golf spielen in Venedig – geht das überhaupt?

Als Amerikas Autokönig Henry Ford 1926, hoffnungsvoll mit seinem edlen Golf-Equipment im Gepäck, die Serenissima besuchte, ging es jedenfalls noch nicht. Die Lagune war, zur großen Enttäuschung Fords, eine komplett golffreie Zone. Abends in der Hotelbar des bis heute kaum veränderten, imposanten Belle- Epoque-Hotels Excelsior Venice Lido sollen sie ihren Plan dann ausgekaspert haben – Henry Ford und der Conte Giuseppe Volpi di Misurata. Der Graf war Besitzer der legendären Lido-Hotels Excelsior und Des Bains und dazu auch noch Präsident der Grand Hotel-Vereinigung C.I.G.A. Sein Einfluss reichte bis in die höchsten Kreise des faschistischen Regimes in Rom, was in jenen dunkelbraunen Zeiten nicht zu seinem Nachteil war. Jedenfalls dauerte es nicht lange, und ein schottischer Edelmann und Golfplatzarchitekt mit dem sehr noblen und reichlich bizarren Namen Cruikshank of Maxwell M. Hart of Glasgow wurde beauftragt, das im Staatsbesitz befindliche Südende der langgestreckten Lido-Insel in einen veritablen Links-Course nach schottischem Vorbild zu verwandeln.

Das rustikale und urgemütliche Klubhaus mit seiner von alten Kiefern beschatteten Terrasse liegt innerhalb der teils noch gut erhaltenen Wehrmauern einer in österreichisch-ungarischer Zeit entstandenen Festungsanlage, deren Kanonen einst die Lagunen-Einfahrt bewachen sollten. Ernsthaft geschossen wurde damit nie. Gleichwohl streift den Golfer auf diesem von viel
Historie getränkten Boden bis heute noch ganz leicht der Mantel der Geschichte: Gleich der erste Drive überquert den breiten, 400 Jahre alten Festungsgraben, und bei der Neun, einem 155 Meter langen Par 3, spielt man blind zurück über den hohen Festungswall in Richtung Klubhaus.

Golfplatz mit Geschichte
Zwei Gäste der frühen Jahre konnten mit alledem herzlich wenig anfangen: Benito Mussolini und Adolf Hitler sollen sich in der diskreten Abgeschiedenheit des Circolo Golf beim Genuss der Antipasti ordentlich gefetzt haben. Ob es ein historisches Versäumnis war, dass der Conte di Misurata als Clubpräsident damals die Gelegenheit versäumte, die beiden golfsportlichen Laien mit einem Schnupperkurs auf bessere Gedanken zu bringen, wird für immer ungeklärt bleiben. Als 20 Jahre später, im August 1954, der Herzog von Windsor, „White Christmas“-Sänger Bing Crosby und der legendäre britische Golf-Champion Henry Cotton mit dem Club-Professional Tullio Scarso auf dem unweit der Ortschaft Alberoni gelegenen Course eine vergnügliche Runde drehten, sah die Welt in Bella Italia schon deutlich besser aus. Der Golfsport hatte an Popularität gewonnen, und der Circolo Golf Club präsentierte sich in der Dünenlandschaft des südlichen Lido so arriviert und eingewachsen mit Ahorn, Linden, Schwarz- und Weißpappeln, wie ihn sich Henry Ford seinerzeit wohl gewünscht hätte.

Später auf 18 Löcher (6.050 Meter, Par 72) erweitert und zum herrlichen Parklandkurs mutiert, dient der Circolo del Golf Venezia häufig als Austragungsort der Italian Open und anderer großer Profiturniere. Zu verdanken ist all dies nicht zuletzt Architetto Marco Croze. 1940 auf dem Lido geboren, verbrachte er den Großteil seiner Kindheit und Jugend quasi auf und neben dem Golfplatz. Er war dort Caddie, Greenkeeper und später – wie schon sein Vater, Dottor’ Ottavio Croze, in den Fünfzigern – lange Jahre Präsident. Nach erfolgreich abgeschlossenem Architekturstudium an der Università di Venezia erlernte er dann ab 1967 beim berühmten Briten John Harris das „Kunsthandwerk“ des Golfplatz-Architekten und machte sich daran, seinen Heimatplatz Fairway für Fairway, Green für Green zu redesignen und weiter zu verbessern. „Ich kenne auf dem Circolo nicht nur jeden Baum, sondern auch jeden Ast“, sagt Marco Croze ohne Übertreibung, und mit Fug und Recht bezeichnet er das grüne Schmuckstück auf dem Lido inzwischen als „mia creatura“.

Einmal im Jahr, zur Biennale, ist halb Hollywood in Venedig zu Gast – und wer sich nicht nur auf dem roten Teppich, sondern auch auf dem grünen Rasen zu bewegen weiß, der lässt sich eine Runde auf dem zauberhaften Platz in Alberoni nicht entgehen. Die zahlreichen Star-Fotos an den Wänden des Klubhaus-Restaurants legen davon Zeugnis ab. Die Fischgerichte dort sind übrigens fangfrisch, äußerst schmackhaft und obendrein preiswerter als in den zahlreichen Touristenfallen zwischen Campanile und dem Ponte di Rialto.

Der Juwelier Marco Croze von der Piazza San Marco hat viele begehrenswerte Schmuckstücke im Angebot. Das wertvollste von allen ist jedoch zweifellos jenes, in dem die Arbeit seines halben Lebens und seine ganze Kunstfertigkeit steckt – in seinem schönsten Smaragd, dem „grünen Juwel der Serenissima“ am traumschönen Südende des Lido.

Mehr Infos: www.circologolfvenezia.it

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