facebook
Drucken
Seite mailen

B…

30. Oktober 2019

700394
700394
700394
700394
700394

Zu den Besonderheiten, die so ein Kreuzfahrtjournalistenleben bereithält, gehört ganz sicher die Teilnahme an der ein oder anderen „Shakedown Cruise“. Anders als es der Name vielleicht vermuten lässt, handelt es sich dabei keineswegs (oder zumindest nicht zwangsläufig) um eine Seereise bei „durchrüttelnden“ Wetterbedingungen, sondern um eine meistens mehrtägige Einführungs- und Testfahrt ohne zahlende Passagiere, dafür aber mit jeder Menge Reederei- und Reisebüromitarbeitern, Werftvertretern sowie Medienmenschen.

Gerade komme ich von einer solchen Shakedown-Cruise auf der Sky Princess, dem neuen Flagschiff von Princess Cruises, zurück. Was ich an Bord gesehen und erlebt habe? Ich fürchte es war die „schöne neue (Kreuzfahrt-)Welt“ in einer Dimension, die selbst Aldous Huxley kaum für möglich gehalten hätte. Der Grund dafür ist das neue „Ocean Medaillon“, ein kreisrunder Button, der nicht nur die Bezahl- und Türöffnerfunktion übernimmt und somit die gute alte Bordkarte überflüssig macht, sondern noch viel mehr kann: So kann man mit ihm beispielsweise auch seine Lieben an Bord tracken und sich an jeden Platz auf dem Schiff einen Drink bestellen, Tische im Restaurant reservieren … Außerdem bekommt jeder Mitarbeiter an Bord auf einem kleinen, stets am Mann (oder der Frau) zu tragenden Bildschirm angezeigt, wer da gerade vor einem steht oder vorbeigeht. All das geschieht natürlich nur zum Wohl des Gastes und hat mit der Einführung des „gläsernen Passagiers“ überhaupt nicht zu tun. Heißt es zumindest.
Aber mal ganz ehrlich: Wissen wir überhaupt, auf was wir uns da einlassen und welche Daten wir zu welchem Zweck preisgeben? Und wollen wir wirklich vor Reiseantritt jetzt auch noch das Ganzkleingedruckte nach Data-Regulations durchforsten? Plus: Wofür soll das alles gut sein?! Ist es nicht viel netter, einfach mal selbst zur Bar zu gehen, dabei mit den Gästen und Mitreisenden zu plaudern und sich vielleicht einen Drink empfehlen zu lassen, den man sonst nicht bestellt hätte?
Außerdem will ich auch nicht von jedem einzelnen Crewmitglied an jedem Ort auf dem Schiff mit meinem Namen angesprochen werden! Das wirkt nämlich keinesfalls persönlich, sondern einfach nur aufgesetzt und auch ein bisschen roboterhaft! Was mich darüber hinaus stört: Vor jeder Kabinentür ist auf einem kleinen Digitaldisplay ablesbar, wer dort gerade mit wem residiert. Privatsphäre? DSGVO? Bei Princess Cruises offensichtlich längst über Bord geworfen … Die gute Nachricht für alle, die da nicht mitmachen wollen – oder einfach keine Lust haben vor Reiseantritt bis zu fünf (!) verschiedene Apps runterzuladen (Vorfreude geht nämlich anders): Auf Wunsch kann man vorab die „Safety only“-Option wählen. Da steht der eigene Name dann zwar immer noch für jedermann lesbar an der Tür (und man selbst länger in der Check-In-Schlange beim ersten Betreten des Schiffs), ansonsten beschränken sich die Medaillon-Funktionen danach aber lediglich aufs Bezahlen und Türöffnen. Was das mit „Safety“ zu tun hat? Ein Schelm, wer da jetzt an „Datensicherheit“ denkt …



facebook
Drucken
Seite mailen