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Berlin Reisen – Eine etwas andere Metropole
Arm, aber sexy.
Klaus Wowereit, der regierende Bürgermeister, trifft mit seinem Slogan den Nagel auf den Kopf. Berlin, das ist Mauerfall und Euphorie, das ist Mitte-Kult und Neukölln-Multikulti, das sind Wilmersdorfer Witwen und Prenzlauerberg-Yuppies, es ist die Berliner Luft, die Mischung aus Currybudendampf und Politgewaber. Eine Millionenstadt, die sich nicht vom "Kiez"-Gefühl verabschiedet – vom edlen Grunewald bis zum rauen Wedding.
Die Hauptstadt hat den Charme eines Reibeisens und die Liebe zum Detail. Das sind zum einen die Bewohner, so sie noch original sind, das ist zum andern die gebaute Katastrophe. Die einen, die echten Berliner, raunzen jeden Gast erstmal an: "Det heißt Schrippe", wenn Unbedarfte Brötchen, gar Semmeln ordern, und knicken sofort ein, wenn der so Düpierte eine Retourkutsche auf Lager hat. Dann zeigt sich die "Berliner Schnauze" von der Kaschmirseite, wird zum Pulswärmer für Herzen. Und die architektonische Apokalypse, die sich als rotes Band von Ost nach West zieht, ist, wie alles in Berlin, eine Frage der Perspektive. Dem "verdichteten Wohnen" am Kottbusser Tor wird literarisch im "Prinz von Berlin" ein Denkmal gesetzt, es ist der Draht zur weiten Welt. Ähnliches Gewusel, das Wohnraum als Brückenschlag über dicht befahrene Straßen schafft, gibt es sonst nur in asiatischen Megastädten. Und das längste zusammenhängende Baudenkmal Europas, die Karl-Marx-Allee, ist ein russischer Import aus den frühen 50ern. Damals einte die geteilte Stadt der Wille zum Überleben, Trümmerfrauen wühlten sich durch den Schutt, und unwesentlich später schuf Sharoun die Philharmonie, die noch heute sonnengelb glänzt.
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