Railjet - Paradezug mit Abstrichen
Geschmäcker sind verschieden. Nicht jedermanns Sache ist anscheinend der dunkle, weinrote Anstrich des Railjets. "Na, schee is der net", meint einer der Fahrgäste am Bahnsteig 7 des Linzer Hauptbahnhofs. Aber, wie so oft, kommt es auf die inneren Werte an. Die Abfahrt erfolgt mit fünf Minuten Verspätung. Österreichs Hochgeschwindigkeitszug Railjet RJ 63 nimmt an diesem Tag seinen Weg von München nach Budapest. Im Dreiklassen-System des Zuges gibt es eine 16 Sitze umfassende Premium Klasse, welche mit einem Fahrschein 1. Klasse plus 25 Euro Aufschlag benutzbar ist.
Wir testen die First Class, die 1. Klasse im herkömmlichen Sinn. Hier gibt es für jeden Fahrgast ein Begrüßungsgetränk, Zeitungsservice, Knabbereien und freundliche Zugbegleiter umsorgen den Gast. Die Ledersitze ähnlich einer Flugzeugbestuhlung, manche mit großen Tischen und Viereranordnung. Vielleicht vermisst man das alte 1. Klasse-Abteil, aber der Trend bei allen Bahnen Europas geht hin zum Großraumstill.
Auf Information wird großen Wert gelegt. Über 80 Bildschirme im Zug vermitteln, wo die Haltebahnhöfe sind, die genaue Position des Zuges (wie im Flugzeug) und wie schnell dieser unterwegs ist. Und es gibt sogar einen eigenen Informationscounter, welcher jedoch permanent verwaist ist. Mahlzeiten und Drinks werden auch am Platz serviert.
Enge Eco
Nicht allzu große Freude dürften die Fahrgäste der 2. Klasse haben (Economy). Denn der Sitzabstand entspricht jenen von Nahverkehrswagen und das wird auf langen Strecken bei voller Auslastung unbequem. Auch die Rückenlehne ist nicht verstellbar. Immerhin kommt ein Servicemann mit Erfrischungen und mobiler Espressomaschine (!) vorbei. Das Bistro, mit einer gewaltigen Theke und minimalsten Sitzplatzangebot, ist schwach besucht. Ob dies an der nicht gelungen Atmosphäre liegt? Selbst das Catering vom "Meinl am Graben" hilft nicht, dass dieses Bistro gemütlicher wirkt. Aber der Kaffee ist ausgezeichnet. Und die Preise fair und günstiger als bei Speisewagen ausländischer Bahnverwaltungen. Wie auch immer.
Unser Sitzplatz in der First bietet Komfort, um es sich bequem zu machen, auch Steckdosen zur Stromversorgung sind vorhanden. Zwar laufen die Wagons ruhig über die Schienen, aber diese sind bei weitem nicht so leise wie jene des ICE der Deutschen Bahn.
Kurt Hofmann (Frühjahr 2011)





















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