Airline Tests
Kurt Hofmann, der profilierteste Airline-Journalist im deutschen Sprachraum, testet Airlines und informiert aus erster Hand.
Seit Mai 2010 ist TAM Airlines aus Brasilien, eine der größten Fluglinien Südamerikas, Star-Alliance-Mitglied. Connoisseur Circle hat den Bordservice von Rio de Janeiro nach Paris Charles de Gaulle getestet.
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Der Reisende ist gut beraten, vom Zentrum Rio de Janeiro zum internationalen Flughafen zeitig aufzubrechen. Der Weg ist weit, vom Verkehr überlastet, doch der Airport zur Abendzeit ohne Hektik. Brasilianische Gelassenheit auch am separaten TAM Business Class Check-in. Durchaus flott die Abfertigung, sehr freundlich und charmant. Auch die Sicherheitskontrolle ist schnell erledigt. Die elegante Lounge der TAM, etwas versteckt und zudem schlecht beschildert, bietet guten Komfort. Das Boarding beginnt wegen der verspäteten Ankunft des Flugzeuges aus São Paulo mit einer knappen Stunde Verspätung. Der Kommandant persönlich empfängt auf einem roten Teppich die Passagiere freundlich an der Eingangstür, mit ihm zwei Flugbegleiter.
Reserviert ist Sitz 7C, ein Platz am Gang. Dem Airbus A330-200 sieht man etwas die Strapazen des Liniendienstes in der Kabine an, leichte Abnützungserscheinungen bei Sitz und Interieur. Auf Grund des mitternächtlichen Abfluges wird zum Begrüßungsdrink (Champagner Drappier Carte d’Or abwechselnd mit Veuve Cliquot) auch gleich eine sehr schön aufgemachte Speisekarte gereicht. Jedoch gab es keine englischsprachigen Magazine und Tageszeitungen, was als Schwachpunkt zu bewerten ist. Die Flugbegleiter sind gut gelaunt. Nach einer kurzen Begrüßung aus dem Cockpit hebt der Airbus Richtung Europa ab.
Die Sitzanordnung in der Business Class (zwei-zwei-zwei) wirkt dank des sehr großzügigen Abstands der Stühle geräumig. Die Tastatur zur Verstellung des Stuhles ist einfach und übersichtlich angeordnet, der Bildschirm für das Unterhaltungsprogramm groß (in der Rückenlehne des Vordersitzes eingebaut), jenes wird aber wegen schwachen Angebots keinen Spitzenplatz gewinen. Doch man kann Filme und Musik individuell abspielen. Der Sitz selber lässt sich in ein sehr flaches, aber nicht komplett waagrechtes Bett verwandeln.
Der Flug ist komplett ausgebucht, der Essensservice beginnt umgehend nach Erreichen der Reiseflughöhe. Um möglichst zeitig den Passagier die Nachtruhe zu ermöglichen, werden schnell Vorspeisen, Salat oder eine Variation von Meeresfrüchten sowie eine Suppe offeriert. Aus den drei Hauptgerichten ragte eins hervor: das exzellente Filet Mignon mit Pfeffersauce. Zur weiteren Auswahl stand ein Chicken-Filet mit Reis oder exzellente Tortellini.
Bei den Weinen fiel die Wahl auf einen österreichischen Grünen Veltliner aus dem Hause Bründelmeier. Beim Delektieren der Weinkarte fielen noch edle Tropfen aus den Rotweingegenden Argentiniens oder Chiles ins Auge, doch die Bettschwere gab letztlich den Ausschlag. Nach acht Stunden Schlaf folgte ein mehr als ausreichendes Frühstück. Früchte, Müsli, Joghurt, kalte Platte, warmes Gebäck, warme Gerichte wie Schinken-Käse-Toast oder Quiche Lorraine, dazu ein exzellenter brasilianischer Kaffee. Sicherlich, der Passagier würde sich manchmal mehr Effizienz bei den Serviceleistungen wünschen. Aber vielleicht ist es auch besser, dass manches nicht immer so perfekt abläuft. Die Freundlichkeit des Personals ist eine perfekte Basis, das Produkt der TAM weiterzuentwickeln.
Die Ankunft in Paris Charles de Gaulle erfolgt nach 10 Stunden und 37 Minuten Flugzeit mit 35 Minuten Verspätung. Sämtliche Partnergesellschaften der Star Alliance sind im gleichen Terminal – Anschlussflüge! – zu erreichen.
Fazit: In Anbetracht der oft schwierigen Rahmen-bedingungen in Südamerika behauptet sich die größte Fluglinie der südlichen Hemisphäre erstaunlich.
Kurt Hofmann (Herbst 2010)
www.tam.com.br
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